Films: 2-Tages-Wanderung mit Hüttenübernachtung

Flims Travel Diary – Teil 1

18 Kilometer, 1.660 m bergauf und 5 erste Male. So könnte man meinen Kurztrip in die Alpen knackig in Zahlen zusammenfassen. Wer es vielleicht schon bei Instagram gesehen hat: Ich war vor ein paar Wochen im wunderschönen Flims in den Schweizer Alpen. Und ich bin hin und weg.  

Kennt ihr Flims? Flims liegt im Schweizer Kanton Graubünden (eher östlich in der Schweiz). Mitten in den Alpen. Mitten in der Natur. Mitten in einer der schönsten Gegenden, in der ich je war. In Flims habe ich mich in die Berge verliebt. Der Ausblick vom Berg in das Tal, das Gefühl nach stundenlanger Wanderung aus eigener Kraft einen Berg bestiegen zu haben und die Stille fernab vom Großstadtlärm – das Bergfieber hat mich gepackt.

Ich war im Winter schon in Flims (da heißt die Destination allerdings LAAX) zum Skifahren und hatte direkt nach dem ersten Besuch Fernweh. Dafür schulde ich euch auch ganz dringend noch einen Post – vielleicht zum Winter dieses Jahr? Naja, auf jeden Fall stand kurze Zeit später schon fest, dass wir im Sommer wieder hinfahren würden. Was ich mir gleich groß im Kalender eingetragen habe.

Jetzt war es endlich soweit. Wir waren ein verlängertes Wochenende in Flims. Was wir die ersten zwei Tage aufregendes gemacht haben – unter anderen zwei der ersten Male – könnt ihr bald hier lesen (der Link folgt). Eins sei schon gesagt: Ich bin froh, dass ich es heil zu Tag 3 geschafft habe!

In diesem Post möchte ich euch vor allem eine wunderschöne 2-Tages-Wanderroute vorstellen. Von der Länge und Schwierigkeit her ist die Tour super, auch wenn man mit Wandern bisher noch nicht so viel am Hut hatte (so wie ich). Tipps und Infos gibt es am Ende 😉

Die Route

Tag 1 – Zwei-Tageswanderung in Flims

Station 1: Von Naraus zur Segneshütte

Länge: 5,5 Kilometer

Anstieg: 425 m

Abstieg: 116 m

Wir sind morgens ganz entspannt nach dem Frühstück gestartet. Der erste Abschnitt ist wohl auch gleich der bequemste: Der Sessellift hat uns vom Dorf bis hoch nach Naraus gebracht. Easy mal 700 Höhenmeter hinter uns gebracht. Ja, für die restlichen 800 Höhenmeter bis zum Segnespass ist aber wirklich die eigene Muskelkraft gefragt! 😀 An der Sesselliftstation Naraus starten auch die Mountainbiker auf den unter Kennern bekannten Runca-Trail. Einige haben direkt Lust bekommen, sich aufs Mountainbike zu schwingen und mitzufahren. Ich muss sagen, dass ich da echt Respekt vor habe und bin ganz froh, dass wir – statt den Berg runterzupreschen – lieber den Weg nach oben genommen haben 🙂

Auf diesem ersten Streckenabschnitt ging es erst ein gutes Stück bergauf. Danach waren unsere Muskeln auf jeden Fall gut warm. Die Strecke danach geht relativ eben auf einem schmalen, steinigen Panoramaweg weiter. Links und rechts grenzen Bergwiesen und auch mal größere Felsen den Trail ein. Das ist übrigens auch der Teil der Strecke, auf dem man die schönste Sicht auf Flims, Laax und Valera hat, die ruhig im Tal liegen. Mir hat hier besonders der letzte Abschnitt gefallen, bei dem wir durch riesige Felsbrocken mit versteckten Blumen gelaufen sind. Links hat sich immer wieder der weite Blick ins Tal gezeigt während wir rechts schon die ersten Züge der Segnesebene bestaunen konnten.

Station 2: Mittagspause auf der Segneshütte

Auf 2.102 m haben wir eine kleine Pause eingelegt. Zur Stärkung gab es ein Riesenrösti mit Speck oder deftig käsige-Pizokel (my choice). Wie es immer so ist: Die Augen waren mal größer als der Magen. Als die liebe Kellnerin die Teller brachte, habe ich wirklich kurz überlegt, welchen Snack ich mir danach holen würde. Aber sagen wir es so, die zweite Hälfte der Portion habe ich nur noch gegessen, weil es so so lecker war. Aber die letzten musste ich dann doch abgeben. Mit vollem und sehr zufriedenem Bauch ging es dann in die höheren Ebenen der Region. Mitten ins Weltnaturerbe – die Tektonikarena Sardona.

Die Auszeichnung als UNESCO Welterbe ist die höchste, die ein Gebiet bekommen kann und bedeutet, dass es weltweit einzigartig und besonders schützenswert ist.

Station 3: Segneshütte – Segnaspass

Länge: 5 Kilometer

Anstieg: 541 m

Abstieg: 15 m

Die Segnesebene könnt ihr euch als große Plattform vorstellen, durch die sich kleine Bergbäche mit Schmelzwasser ziehen, Wasserfälle durch Felskanten fressen und Blumen durch die steinige Decke sprießen. Um den unteren Segensboden zu überqueren, läuft man besten rechts entlang der Felskante. Hier führt aber auch gut sichtbar ein Weg lang. Der Segnesboden bietet sich auch super für Pausen an. Wir haben auf unserem Weg einige Wanderer gesehen, die es sich mit einem Picknick oder einfach nur zum Sonnen am Rand bequem gemacht haben. Von hier sieht man die Glarner Hauptüberschiebung auch schon sehr deutlich.

Die Glarner Hauptüberschiebung ist ein wahres Stück Naturgeschichte. Die Alpen entstanden als vor Millionen von Jahren die Kontinentalplatten von Europa und Afrika kollidierten. Was man in Flims besonders deutlich (und auch nirgendwo sonst) sieht: Hier haben sich ältere über jüngere Gesteinsschichten geschoben, was ihr heute durch eine klare Linie im Gestein erkennt. Wer sich für naturgeschichtliche Phänomene interessiert, dem kann ich sehr empfehlen, mal einen Blick auf die UNESCO Sardona Seite zu werfen (http://www.unesco-sardona.ch/Glarner-Hauptueberschiebung.414.0.html)

 

Nach der Ebene ging das Wandern wohl eher ins Bergsteigen über. Der Weg führt mehr oder wenig treppenförmig auf eine weitere, leicht ansteigende Ebene. Die gelben Bergblumen werden auf dem Abschnitt immer seltener und die Umgebung wandelt sich recht schnell in eine mondähnliche Gerölllandschaft – wie man sich das in hochalpinen Gegenden halt irgendwie vorstellt. Ich zumindest. Von hier sieht man die Hauptüberschiebung besonders deutlich. Vor allem lässt sich aus dieser Position auch das Martinsloch richtig blicken.

Bestes Trinkwasser

Mein Wasser konnte ich mir immer wieder in den klaren Bergbächen auffüllen. Das Wasser war am ersten Tag so klar, dass in der Flasche nicht ein bisschen Dreck war. Und geschmeckt hat es so viel besser als die meisten abgefüllten Wasser. Also: eigene Flasche mitnehmen und Wasser auffüllen, statt sich abzuschleppen.

Unser Ziel für den Tag war die Mountain Lodge auf dem Segnaspass. Über Schutt und sogar Schnee haben wir auch die letzten Höhenmeter hinter uns gebracht. Ganz zum Schluss führt eine klettersteigmäßige Treppe bis hoch auf den Pass. An alle, die – wie ich vorher – noch nie so wirklich Bergsteigen waren, lasst euch sagen: Nach mehreren Stunden Wandern und einem sehr steilen letzten Anstieg den letzten Schritt auf 2.600 m ü. M. zu setzen, ist ein Gefühl, das ich kaum in Worte fassen kann. Da wäre zum Einen die Erleichterung angekommen zu sein, die Bestätigung zu haben, dass man das tatsächlich schafft und zum anderen die Enttäuschung, dass es nicht noch weiter geht, dass es schon zu Ende ist. Es war einfach der Wahnsinn. Gemäß Schweizer Tradition gab es für alle erst einmal Rötli und freudiges Abklatschen. Das war echt ein Augenblick, der sich bei mir eingebrannt hat.

Photocredit: Florian Johänntgen/ Flo’s Instagram

Station 4: Hüttenübernachtung auf der Mountain Lodge

Einfach, abenteuerlich und total abgefahren

Die Lodge war früher mal ein Militärbunker, der heute aber komplett renoviert und eine Anlaufstelle für Wanderer der Region ist. Zum Beispiel zum Essen: Wir haben gesehen, dass es hier köstlich duftenden Kaiserschmarrn gibt. Zur Übernachtung stehen in einem Schlafraum 12 Betten mit Schlafsäcken zur Verfügung. In einem großen Gemeinschaftsraum servieren die beiden Hüttenwärter lecker, selbst-gekochtes Essen und tun ihr möglichstes, dass man sich als Gast wohlfühlt. Als Übernachtungsgast sollte man sich aber nicht groß anstellen. Die Toilette ist ein Dixiklo, das etwas abseits der Hütte direkt am Berghang steht. Ein kleines Waschbecken mit Spiegel findet man im Vorraum zur Hütte. Eine Dusche gibt es nicht. Hat aber auch niemanden gestört. Es ist alles sauber und ich persönlich habe mich sehr wohlgefühlt. Für eine Übernachtung war es auf jeden Fall perfekt 🙂

Photocredit: Vicky Klieber/The Golden Bun

Morgens gab es ein schnelles Frühstück mit Gipferli, bevor es auch schon wieder zurück ging.

Tag 2 – Zwei-Tageswanderung in Flims

Station 4: Segnaspass – Trutg dil Flem – Ustria Startgels

Länge: 8 Kilometer

Anstieg: 10 m

Abstieg: 1.000 m

Auf dem Rückweg geht es bis zur Segneshütte den gleichen Weg entlang wie am Vortag. Nur ab der Segneshütte neben wir noch ein anderes Highlight in Flims mit: Den Wasserwanderweg Trutg dil Flem. Das ist der Fluss, der auf dem unteren Segnesboden als Wasserfall startet. Sieben Brücken führen über die Wassermassen, die sich über die Jahrhunderte langsam aber stetig in das umliegende Gestein gefressen haben und heute sehr beeindruckend zeigen, wie viel Kraft Wasser wirklich hat. Der Weg nach unten ist nicht zu unterschätzen. Als wir an der Ustria Startgels zum Mittag angekommen, tun mir ganz schön die Beine vom vielen Stoppen weh. Das Besondere an dem Weg ist übrigens, dass man hier über sieben komplett unterschiedlich designte Brücken geht und genau dem Lauf des Wassers folgen kann. Auf jeden Fall sehr sehenswert. Ab Foppa haben wir dann wieder den Sessellift bis ins Tal genommen.

Anekdote

So. Wer sich bis hierhin durch meine Erlebnisse gelesen hat, hat noch zwei lustige Anekdoten verdient. Auf dem Weg von Naraus zur Segneshütte hat sich langsam aber sicher meine Schuhsohle verabschiedet. Ich weiß nicht, ob die Schuhe zu lange im Schrank standen oder einfach nicht für den steinigen Untergrund gemacht waren – sie haben sich auf jeden Fall aufgelöst. Nach dem dritten „Ehm Liza, ich glaube…-„ haben sich meine Füße auch nicht mehr so sicher in den Schuhen gefühlt. Zum Glück haben Caro und Martin schon so viel auf ihren Reisen erlebt, dass sie meinen Schuh kurzerhand mit Hansaplast verbunden haben. Das hat die nächsten Kilometer auch wunderbar gehalten (und gehört damit ab sofort in mein Reisegepäck!). Auf der Segneshütte gab es noch eine Schicht Panzertape obendrauf und ich sage euch – die improvisierte Schuhreparatur hat 1a gehalten. Unten sind sie dann trotzdem direkt im Müll gelandet. Fürs nächste Mal gibt es dann Neue 🙂 Irgendwelche Tipps?

 

Tipps

  • Cremt euch mit Sonnencreme ein. Und cremt auf der Segneshütte noch einmal nach! Gerade wenn es immer weiter hoch geht, weht ein recht angenehm kühlender Wind, der mich etwas vergessen lassen hat, wie doll die Sonne doch knallt. Ja, ich habe meine Schulter ganz schön böse verbrannt. Macht nicht denselben Fehler.
  • Und wieder hat es was mit der Sonne zu tun. Ich habe mich für die Wanderung für eine ¾ Sporthose entschieden. Kombiniert mit knöchelhohen Wanderschuhen hat das einen gut gebräunten, etwa handbreiten Streifen auf meiner Wade hinterlassen. Nicht der Sommerlook, den ich mir gewünscht hätte. Auch nach mehrmaligem Peeling ist der Farbunterschied noch deutlich zu sehen. Zieht also am besten eine lange Hose an oder denkt daran, eure freiliegenden Waden ordentlich mit 50 LSF einzucremen.

Wann ist die beste Zeit?

Die Wanderung mit der Hüttenübernachtung, wie wir sie gemacht haben, ist saisonabhängig. Die Mountain Lodge hat nur in der Sommersaison von Juli bis Ende September geöffnet. Wir waren dieses Jahr tatsächlich die ersten, die dort geschlafen haben 🙂 Wandern kann man in Flims aber das ganze Jahr. Je nach Jahreszeit sollte man sich natürlich entsprechend warm anziehen.

Etappen

Tag 1: Films Bergbahnen (1.100 m) – Naraus (1.842 m) – Segenshütte (2.102 m) – Segnaspass (2.627 m)

Tag 2: Segnaspass (2.627 m) – Segenshütte (2.102 m) – über den Trutg dil Flem – Ustria Startgels (1.590 m) – Foppa (1.420 m) – Films Bergbahnen (1.100 m)

Unterkunft

In Flims: Wir haben im stylischen rocksresort geschlafen. Das Design ist dem Bergsturz nachempfunden und sehr modern. Mehr könnt ihr im zweiten Teil meiner Flims-Reise demnächst lesen. Übrigens: Das Apartemet-Hotel bietet immer mal wieder coole Sommer-Deals an und eignet sich vor allem, wenn man in der Gruppe und mit der Familie unterwegs ist.

Segnaspass: Oben auf dem Pass habt ihr nicht so die Auswahl. Hier gibt es nur die Mountain Lodge. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn die Übernachtung ist echt einzigartig und absolut empfehlenswert. Für 55 Schweizer Franken (etwa 49 Euro) bekommt ihr eine wirklich einmalige Übernachtung mit Frühstücksverpflegung und bestem Ausblick morgens.

Anreise

Flugzeug
Wer von weiter anreist, ist mit dem Flugzeug gut bedient: Vom Flughafen Zürich sind es etwa 2,5 h mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – gleichzeitig bekommt man eine super schöne Sicht auf Zürich, den Zürcher See und die Berge.

Auto
Mit dem Auto kommt man gerade aus umliegenden Städten sehr gut nach Films. Von München sind es etwa 3 h – super als auch für alle, die nur ein Wochenende mal rauskommen wollen.

Bahn
Was für die Umwelt natürlich mit am besten ist und was ich auch unbedingt noch irgendwann einmal ausprobieren will, ist die Anreise mit dem Zug. Hierfür fährt man bis nach Chur und dann mit dem Postbus weiter.

 

Schöne Berichte aus Flims und vor allem super super schöne Fotos unserer Reise findet ihr auch bei Amandine, Annie, Caro und Martin, Flo, Helen, Marc, Ricarda und Vicky. Schaut da doch auch mal vorbei 🙂

Mein Fazit: Ich muss definitiv mehr wandern gehen. Man fühlt sich einfach so gut dabei. Vor allem wenn man so eine unglaubliche Landschaft um sich hat wie in Flims. Tatsächlich bin ich im September auch wieder in Films wandern! Yippie 🙂 Wenn ihr mehr über die Region wissen wollt, dann schaut mal auf der Website oder stellt eure Fragen einfach in den Kommentaren 🙂

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